Ensemble Modern Orchestra spielt Harrison Birtwistle

„In Broken Images“ und „Secret Theatre“

Großer, herzlicher und verdienter Beifall für das Ensemble Modern Orchestra, für den englischen Dirigenten Paul Daniel und für „In Broken Images“ von seinem 1934 geborenen Landsmann Harrison Birtwistle. Für diesen „Secret Theatre“ überschriebenen Abend im Mozart Saal hatte sich der „harte Kern“ des Ensemble Modern mit befreundeten Musikerinnen und Musikern erweitert. Viele von ihnen stammten aus früheren Jahrgängen der Internationalen Ensemble Modern Akademie (IEMA). Fast alle hatten auch solistische Aufgaben zu erfüllen, so dass man weniger von einem „Orchester“, als von einem mehr als mehr als dreißigköpfigen Solisten-Ensemble sprechen mochte. An ihren hellwachen und hochmotivierten Gesichtern war abzulesen, dass sie um ihre tragende Rolle im Ganzen wussten. Musikalische Wendungen waren nicht einfach abgespielt, sondern so plastisch ausgeformt, dass sie an körperliche Gesten oder sprachliche oder vorsprachliche Äußerungen erinnerten. Auch die große Palette der Klangfarben, von extrem leuchtkräftigen zu geheimnisvoll nebulösen, verriet gründliche Detailarbeit. Sie war zweifellos ein Verdienst des Dirigenten, aber auch des Komponisten, der sich zu dieser an Dialogen reichen Musik von den raumklanglichen Experimenten der Renaissance und frühen Barockzeit hatte inspirieren lassen.

Zu Beginn des Konzerts hatte „Kassiopeia“ (2008) des 1971 in Basel geborene, unter anderem bei Wolfgang Rihm ausgebildeten Andrea Lorenzo Scartazzini allen einleuchtenden formalen Parallelen zum auch als „Himmels-W“ bekannten Sternbild und allen an die Dramatik des Mythos‘ erinnernden Farbkontrasten zum Trotze vergleichsweise buchstabiert gewirkt. Auch in Birtwistles älterer Komposition, Secret Theatre (1984), die dem Konzert seinen suggestiven Namen verliehen hatte, hatten Daniels detaillierte Dirigierbewegungen im Vergleich zu den runden und freien in „In Broken Images“ noch eckig gewirkt. In diesem von szenischen Momenten durchwirkten Stück, in dem immer wieder andere Musiker auch räumlich aus dem Tutti in eine andere Ebene heraustreten, faszinierte ganz besonders die lettische Bratschistin Andra Darzins: Ihre enorme energetische Bühnenpräsenz bewirkte, dass man ihren Part auch dann gebannt verfolgte, wenn er akustisch vom Dschungel anderer Stimmen verdeckt war.

DORIS KÖSTERKE