Alexander Goehr – Ensemble Modern

Alexander Goehr im Fokus

„Alexander Goehr? – Kenn ich nicht“ galt allenfalls vor dem fesselnden Dritten Abonnementkonzert des Ensemble Modern im Mozart Saal der Frankfurter Alten Oper.

Goehr wurde 1932 in Berlin geboren. Kurze Zeit später übersiedelten seine Eltern mit ihm nach England. Als Sohn des Dirigenten und Schönberg-Schülers Walter Goehr wuchs er im engen Kontakt zur kontinentalen Avantgarde auf, wurde Schüler von Messiaen, Freund von Boulez und wacher Beobachter der Entwicklungen rund um die Darmstädter Ferienkurse.

Als über Achtzigjähriger schrieb er seinen Vokalzyklus „Verschwindendes Wort“ (2014-15) auf deutsche Texte. Von Jakob Boehme, Friedrich Müller, Bachmann, Rilke, Walser und Mandelstam, übersetzt von Celan. Alle kreisen um die Grenzen von Sprache. Das zwölfteilige, von fünf instrumentalen „Preludes“ durchsetzte Werk erlebte an diesem Abend ebenso seine Deutsche Erstaufführung, wie „Manere I-III“ (2008; 2016), zwei Duos und ein Trio aus seriell verarbeitetem Material aus einem gregorianischen Choral. Wem es gelang, das aus dem Großen Saal herunterdröhnende Bässewummern innerlich auszublenden, erlebte deren klangschöne Interpretation von Ib Hausmann (Klarinette), Saar Berger (Horn) und Giorgos Panagiotidis (Violine) als pure Intensität mit keiner Note zu viel.

Der Pianisssimo-Schluss der nicht minder beeindruckend gespielten „Zeitmaße“ (1957) von Stockhausen fiel mit einem Schlagzeugscheppern von oben zusammen. Derartige Zusammenstöße sollten in der Alten Oper bitte nicht zur Gewohnheit werden! Robuster gegen die Dominanz von oben erwiesen sich die anregend irritierenden Ophelia Dances op. 13 von Oliver Knussen, Book 1 (1975), dirigiert von dem faszinierend schillernden Jonathan Berman, der auch Goehrs Verschwindendes Wort dirigierte. Schade, dass hier die Texte nicht, wie sonst üblich, im Programmheft abgedruckt waren. Denn beim nachträglichen Raussuchen war der Bezug zur Musik nicht mehr präsent. Andererseits fanden die klanglich sehr differenzierte Musik und der Gesang von Lucy Schauffer (Mezzosopran) und Christopher Gillett (Tenor) zu einer überzeugenden Meta-Aussage zusammen: Zu einer soghaften Atmosphäre großer Ernsthaftigkeit, sinnbildlich für einen Menschen, der, umgeben von Erfolgreichen, stets seinen eigenen Weg gesucht und darin zur überzeugender Ausstrahlung gefunden hat.

DORIS KÖSTERKE