Prüfungskonzert IEMA 2017/18

 

Sie wirkten ein wenig bleich, als sie im Kleinen Saal der Musikhochschule auf die Bühne kamen: die Stipendiaten der Internationalen Ensemble Modern Akademie (IEMA) spielten ihr erstes von drei Prüfungskonzerten zum Semesterabschluss. Es begann mit dem Doppelkonzert „Doppler Wobbler“ (2011/12) von Ivo Nilsson, das nach einer Methode zum Aufspüren von Planeten in anderen Sonnensystemen benannt ist. An exponierter vorderster Front vor dem Ensemble standen Bratschistin Laura Hovestadt und Fagottistin Peng-Hui Wang in den Rollen zweier Planeten, die das Gestirn, das sie umkreisen, je nach Entfernung und eigener Masse unterschiedlich stark zum „Wackeln“ bringen. Ihr Kreisen um ein Zentralgestirn (hier: das Ensemble) ließ sich in Form künstlerisch simulierter Doppler-Effekten nachverfolgen. Die Vibration, die ein „Himmelskörper“ im anderen auslöste, übertrug sich in Form von Gänsehaut, auch angesichts der hohen Konzentration der Musiker.

Küsschen vom Komponisten Ivo Nilsson

Der aus Stockholm angereiste Komponist saß mit kritischem Blick im Publikum. Im Schlussapplaus belohnte er beide Solistinnen mit einem Küsschen, wie man es sich von Hindemith, Vivaldi oder Mozart vergeblich wünscht.

Das Kaleidoskop der Klänge in Treize couleurs du soleil couchant (1978) von Tristan Murail machte es der Phantasie leicht, sich das Farbenspiel eines Sonnenuntergangs mit seinem Wechsel aus gleißenden Strahlen (Flöte – Katrin Szamatulski, Klarinette – Moritz Schneidewendt); Violine – William Overcash; Cello – Kyubin Hwang), geräuschhaften Wolken und Reflexen (Vitaliy Kyiantsia, Klavier) vorzustellen. Die jungen Musiker hörten so genau aufeinander, dass die Klänge unbemerkt von einem zum anderen Instrument wanderten. Sie blieben direkt aufeinander bezogen, während sie den koordinierenden und klangmalenden Bewegungen des Dirigenten Lautaro Mura Fuentealba folgten und hielten die Spannung, wenn er nach Verklingen des Schlusstons das Stück noch lange in der Stille nachklingen ließ und vor einer vorschnellen Zertrümmerung durch Beifall bewahrte. Die wunderbare Aufmerksamkeit der Musiker füreinander (neben den bereits erwähnten auch Niamh Dell – Oboe; Gabriel Trottier, Horn; Per Håkon Oftedal, Trompete; Yu-Ling Chiu, Schlagzeug und Lola Rubio, Violine) blieb den gesamten Abend über ein beglückendes Erlebnis, auch in Jörg Widmanns Liebeslied für acht Instrumente (2010), im klanglich fragilen ASPRA (2012) von Carlo Ciceri (unaufdringliche Klangregie: Maximiliano Estudies), im mitunter folkloristisch-herzhaften Octet (1931) von Nikos Skalkottas und in den wie selbständige Schichten aus schnellen Tonrepetitionen einander überkreuzenden Handlungssträngen im Piece No. 2 for Small Orchestra (1986) von Conlon Nancarrow.

 

Zwei weitere Frühjahrskonzerte der IEMA finden statt am 2. und 3.3.2018, jeweils 19:30 im Kleinen Saal der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, Frankfurt am Main.

DORIS KÖSTERKE