Eröffnung des Festivals Rheingau Sommer

 

ELTVILLE-ERBACH. „Ein mit achtzig Zuhörern ausverkauftes Konzert“, seufzt Bruno M. Brogsitter, Geschäftsführer des Festivals Rheingau Sommer. „Burghofspiele“ kann man es derzeit kaum nennen, denn der namensgebende Schauplatz steht derzeit dafür nicht zur Verfügung. „Wir sind glücklich, wenn wir auch diesen Sommer halbwegs schadlos überstehen“, sagt Brogsitter. Den Umständen entsprechend reduzierte er das Theaterprogramm auf eine literarisch-musikalische Matinée, „Die lustigen Weiber von Windsor“ am 22. August, bietet jedoch wieder insgesamt 17 Konzerten an. Das erste bestritt das Schweizer Capriccio Barockorchester in der Erbacher Pfarrkirche St. Markus und erwies sich darin Meister der Improvisation. Nicht nur im reichen Ausgestalten der barocktypisch nur gerüsthaft überlieferten Notentexte. Sondern auch programmatisch: Am Morgen vor dem Konzert erkrankte der wichtigste Solist. Um die Lücken zu füllen, sang Sopranistin Stephanie Pfeffer noch drei Bach-Arien. Dass diese tiefschürfenden Werke an diesem Abend nicht ganz so begeisterten, lag mithin an dieser „Improvisation“. Aber auch daran, dass Bachs Kompositionsweise der Singstimme weniger entgegenkommt, als der geschäftstüchtige Opernkomponist Händel in seiner Solo-Motette „Silete venti“, mit der das an diesem Abend zweimal gespielte Konzert jeweils schloss und vom Publikum begeistert aufgenommen wurde.

Hohe Glücksfrequenzen

Ebenso begeisterte „Brava“-Rufe wie Stephanie Pfeffer erntete die australische Oboistin und Blockflötistin Amy Power als Solistin in Vivaldis ursprünglich nicht vorgesehenen Concerto C-Dur für Flautino, Streicher und Basso Continuo, RV 443: Da mischten sich die hohen und hoch virtuosen Glücksfrequenzen der kleinen Flöte mit den gefällig sprühenden Einfällen des Gute-Laune-Komponisten.

Auf der reichen Palette kommender Konzerte stehen das Antwerp Symphony Orchestra (am 21.8.), Klavierabende, Orgel mit und ohne Trompete, das Gesangsensemble StimmGold, eine Harfen-Soirée, das Minetti-Quartett, das Marvin-Klaviertrio, Kammer-Konzerte unter anderem mit dem Saxophonquartett clair-obscur, für Saxophon (Koryun Asastran) und Akkordeon (Enrique Ugarte), mit dem Melis-Gitarren-Duo, den Cellisten der Tschechischen Philharmonie , sowie einen gemeinsamen Abend des Trio d’Iroise mit dem Trio Syriab mit Werken von Purcell und Beethoven und Arrangements traditioneller syrischer Musik.

DORIS KÖSTERKE

 

Offiziell schließt der Rheingau-Sommer mit einem Orchesterkonzert am 29. Dezember. Das Kern-Programm geht bis zum 5. September. Näheres auf https://www.burghofspiele.de/