Happy New Ears – Portrait Alex Paxton

Alex Paxton als Solist mit dem Ensemble Modern. Foto: Barbara Fahle Alle Fotos stammen von Barbara Fahle.

Frankfurt. Der Körper wisse oft mehr als der Verstand, findet  Alex Paxton.  Das Ensemble Modern hatte dem Engländer ein Werkstattkonzert in seiner Reihe „Happy New Ears“ gewidmet. Im Großen Saal der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst führte es, mit ihm als Solisten, seine Komposition „iLolli-Pop” auf, die mit einer Fülle von Anspielungen und sprühenden Hellwachklängen begeisterte .

Alex Paxton, Posaune. Foto: Barbara Fahle

Seine Ausbildung hat Paxtonam Royal College of Music und der Royal Academy in London erhalten. 2019/20, nahm er am International Composer’s Seminar des Ensemble Modern teil. Zu dieser Zeit verdiente er sein Brot noch an einer Primary School. Von den Kindern habe er viel gelernt, sagte er im Gespräch mit dem Ensemble-Modern-Bassisten Paul Cannon, das sie in ihrer beider Muttersprache führten. Doch inzwischen, bei mitunter drei Uraufführungen pro Woche, habe er dafür wohl keine Zeit mehr, vermutete Cannon.

Alex Paxton im Gespräch mit Paul Cannon. Foto: Barbara Fahle

Von Kindern gelernt

Im Zentrum des Abends stand Paxtons Komposition „iLolli-Pop for ensemble and improvising musician” (2019/20). Solist war er selbst, der zugleich ausgebildeter Posaunist ist.
Der Orchesterpart sei minutiös auskomponiert, während der Solopart improvisatorische Freiheiten lässt, um die Gegenwart zu modifizieren, sagte Paxton.

Etwas zum Resonieren bringen, das vorher unbemerkt war

Was will er eigentlich mit seiner Musik? Er möchte in seinen Hörern etwas zum Resonieren bringen, das vorher unbemerkt war, antwortete Paxton. Um seine Hörer so verschieden sein zu lassen, wie sie sind, besteht seine Komposition aus vielen verschiedenen Schichten, darunter ein kurzes prägnantes Jazz-Motiv, das sich im Dialog zwischen Solist und Ensemble herzhaft “dirty“ entwickelt. Eine andere beschrieb er, als würde man mit dem Bleistift auf einem Gemälde von Jackson Pollock kritzeln, eine wieder andere, als würde sich Efeu an einem Baum hochwinden, um ihn schließlich zu würgen. Eine weitere erinnerte an den Close-Harmony-Gesang etwa der Beatles.

Foto: Barbara Fahle

Sprühende Hellwachklänge

Der Höreindruck war einzigartig: Klischees klangen an und wurden humorvoll verfremdet, Sakrales etwa durch Kazoo und Melodica. Filmmusikatmosphäre schien auf, einschließlich unrund laufender Tonspur und aus allem sprudelten hochfrequente Hellwachklänge. Selten hat man das Ensemble Modern, souverän gleitet von Toby Thatcher, so vergnügt gesehen. Das vielfach junge Publikum dankte mit hellem Jubel und überreichem Schlussapplaus.

Alle Fotos stammen von Barbara Fahle

DORIS KÖSTERKE
22.6.2025